Studienprojekte am Psychotraumazentrum

Eine Darstellung der aktuellen Studienvorhaben des Psychotraumazentrums

Ambulante Gruppen

Es wird untersucht ob es im Rahmen von verschiedenen ambulanten Gruppentherapieangeboten zu unterschiedlichen Veränderungen von Symptombelastung, persönlichen Werten und Ressourcen sowie der Fähigkeit zur Wahrnehmung von Emotionen kommt. Die Gruppentherapien werden über die Fachuntersuchungsstelle 6b am Bundeswehrkrankenhaus Berlin angeboten und durch das PTZ wissenschaftlich begleitet.

Deprexis

Deprexis ist ein individualisiertes, interaktives Online –Therapie- Programm für Patienten mit unipolarer Depression oder depressiver Verstimmung. Ziel unserer Studie ist der Wirksamkeitsnachweis von Deprexis bei Soldaten mit Depression und selbstunsicherer/ sensitiver Persönlichkeitsakzentuierung bzw. -störung. Die Studie wird als Multicenterprojekt der Bundeswehrkrankenhäuser Berlin, Hamburg und Ulm durchgeführt.

Einsatzstatistik

Im Auftrag des Ministeriums wird eine Statistik zu einsatzbedingten psychischen Störungen geführt. Dabei werden alle Soldaten anonym erfasst, die sich einsatzbedingt in ambulante oder stationäre wehrpsychologische oder -psychiatrische Behandlung begeben. Dafür wurde ein Meldesystem erarbeitet, das eine optimale Erfassung und Auswertung der erhobenen Daten gewährleistet. Die wissenschaftliche Auswertung soll zu einer Optimierung der Einsatzvor- und -nachbereitung beitragen und Auskünfte über das Inanspruchnahme Verhalten von Hilfseinrichtungen geben.

Evaluation des Einflusses von pferdeunterstützen Interventionen

Das Forschungsprojekt Partnerschaftsstudie befasst sich mit Soldatinnen und Soldaten die an einer einsatzbedingten psychischen Erkrankung im Schwerpunkt der Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) erkrankt sind und den daraus resultierenden Folgen für deren Ehe-und Lebenspartnerinnen und – partnern. Evaluiert wird ein Angebot des evangelischen Kirchenamtes, bei welchem Betroffene gemeinsam mit ihren Partnern an einer pferdegestützten Intervention teilnehmen. Erste Studien zeigen positive Effekte durch die Interaktionen von Menschen und Tieren. Im Rahmen der Studie soll daher geprüft werden, ob diese Effekte ebenso bei der pferdeunterstützten Intervention nach der EAGALA-Methode ( Equine Assisted Growth And Learning Association) zu finden sind und sich positiv auf die Partnerschaftsqualität, den Grad der Depression und die Traumaschwere beim belasteten Partner auswirken.

Evaluierung Fachberatungsseminare

Ziel dieser Untersuchung ist die Prozess- und Ergebnisevaluation sowie die langfristigen Wirkung des Seminars bei den Durchführenden, Betroffenen und Angehörigen auf Commitment zur Bundeswehr und den Einsätzen, der subjektiven Lebensqualität, empfundenen sozialen Unterstützung und individueller Perspektiven. Fachberatungsseminare sind einwöchige Maßnahmen zur psychosozialen Unterstützung für physisch und/oder psychisch verletzte Soldatinnen und Soldaten, zivile Beschäftigte, Hinterbliebene und ihre Bezugspersonen. Diese umfassen die sozialdienstliche, psychologische und seelsorgerische Betreuung sowie unterstützende Begleitmaßnahmen der umfassenden Information (- z.B. durch den Berufsförderungsdienst, den Beauftragten für PTBS oder die Ansprechstelle für Hinterbliebene) und der allgemeinen körperlichen und psychischen Stabilisierung. Sie bilden einen Rahmen, um Betroffenen den gegenseitigen Austausch und die gegenseitige Unterstützung zu ermöglichen.

Individuelle Wertesysteme

In unterschiedlichen Gruppen sollen Zusammenhänge zwischen der psychischen Gesundheit von Soldaten und deren individuellen Wertesystemen untersucht werden. Hierbei werden Einflussfaktoren wie Auslandseinsätze oder andere Belastungsfaktoren, verschiedene therapeutische Interventionen sowie persönliche Ressourcen auf mögliche Zusammenhänge hin untersucht. Durch diese Forschungsvorhaben sollen gezieltere präventive und therapeutische Möglichkeiten entwickelt werden, um eine höhere Resilienz der Soldaten zu erreichen oder gezielter therapieren zu können.

Internettherapie bei PTBS

Ziel dieser Studie ist die Anpassung und erste klinische Erprobung eines neuen, computer- und internetgestützten ambulanten Therapiekonzeptes für Bundeswehrsoldaten und begleitende Evaluation des Therapiekonzeptes. Die Studie ist im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Freien Universität Berlin geplant.

Longitudinalstudie (LTS)

Das Ziel dieser prospektiven Longitudinalstudie ist die Identifizierung von Prädiktoren für belastungsreaktive Störungen unter psychobiologischen, neuroendokrinologischen und molekularbiologischen Gesichtspunkten sowie der molekularen Pathogenese- und Biomarkern für Traumafolgestörungen wie bspw. der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Mittels funktioneller Bildgebungsmethoden sollen prädiktive belastungsbedingte Veränderungen in der Verarbeitung von Reizen und kognitiver Aufgabenstellungen erfasst werden, die Rückschlüsse auf die kognitiven Ursachen von Traumafolgestörungen bzw. zu prädiktiven Faktoren für einen Behandlungserfolg ermöglichen sollen.

PTE-Studie

In dieser Studie werden Soldaten der Bundeswehr mit einsatz- und nicht-einsatzbedingten psychischen Belastungen und Erkrankungen untersucht in Hinsicht auf Unterschiede in physiologischen, testpsychologischen und epigenetischen Parametern. Es sollen eventuelle Unterschiede in diesen Parametern charakterisiert werden und dadurch Hypothesen über mögliche Risiko- und Schutzfaktoren für psychische Erkrankungen bei Bundeswehrsoldaten abgeleitet werden. Des Weiteren soll festgestellt werden, inwiefern diese Verfahren zur Früherkennung und Prävention einsatzbedingter psychischer Erkrankungen geeignet sind. Die Parameter sollen zudem in einem longitudinalen Design vor und nach einer stationären Traumatherapie, sowie in Teilen auch katamnestisch, bei Soldaten mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) erhoben werden, um ggfs. Erfolgsparameter einer stationären Psychotherapie von Soldaten zu identifizieren.

PTBS-App

Eine Arbeitsgruppe des Fachbereichs Informatik der Universität der Bundeswehr München konzipiert in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und dem Psychotraumazentrum am Bundeswehrkrankenhaus Berlin die Smartphone-App "PTBS-Coach". Angelehnt an die amerikanische App "PTSD-Coach" wurden Inhalte für die deutschen Streitkräfte adaptiert, eine Phase zur Usability-Prüfung wird im Frühjahr 2016 stattfinden. Die App "PTBS-Coach" ist als ein niedrigschwelliges, erstes Kontaktangebot für Betroffene und Angehörige gedacht. Neben erklärenden, psychoedukatorischen Elementen sind auch Therapiemodule wie "Progressive Muskelrelaxation" oder "Imagination" vorgesehen.

RSL (Rauchen, Schlafen, Laufen)

Es werden Schlafverhalten, körperliche Aktivität & Sport und Nikotinkonsum, die in enger Wechselwirkung mit Stresserleben stehen, untersucht. Die Untersuchung erfolgt als prospektive Kohortenstudie mit vier Erhebungszeitpunkten bei 264 Panzergrenadieren. Die Einsatzgruppe nimmt an einem International Security Assistance Force (ISAF) Einsatz teil und wird mit einer Kontrollgruppe, die sich im gleichen Zeitraum auf den ISAF Einsatz vorbereitet, verglichen.

Suizidregister Bundeswehr

In einem Ad-hoc-Auftrag des Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr wurde in enger Kooperation mit dem WehrMedStatInstBw ein Suizidregister implementiert, welches in Andernach verortet ist. Ziel ist es, bei den Suizidfällen aktiver Soldaten der Bundeswehr im Berichtswesen eine Vollerhebung zu gewährleisten. Gleichzeitig werden die gemeldeten Suizidversuchsfälle nach analogem Muster und einem Sechs-Augen-Prinzip erfasst. Die statistischen Auswertungen erfolgen im PTZ. Eine Kooperation mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr wird angestrebt. Risikofaktoren für suizidales Verhalten sollen identifiziert werden, um so ggf. angepasste Präventions- bzw. Aufklärungsprogramme (z.B. Depression und Suizidalität) zu entwickeln.

Tetrisstudie

Ziel dieser Studie ist es, die Wirkung von handelsüblichen Videospielen („Tetris“) auf den Behandlungserfolg bei Patienten mit PTBS zu untersuchen. Dabei gehen wir von der Annahme aus, dass die visuell räumliche Stimulation durch kognitives Training einen positiven Einfluss auf Belastungen durch Intrusionen nach traumakonfrontativen Sitzungen hat. Außerdem soll durch Bildgebung der Frage nachgegangen ob das kognitive Training einen ähnlichen hirnstrukturellen Effekt ausübt, wie gängige Traumatherapieverfahren, z.B. Eye Movement Desensitization and Reprocessing Therapy (EMDR) nach Shapiro oder Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT) nach Smucker.

Unterschiede der symptomatologischen Ausprägung depressiver Störungen

In dieser Studie wird untersucht, ob zivile und militärische Patienten sowie männliche und weibliche Patienten sich in Hinsicht auf die Ausprägungen von Depression und Anpassungsstörungen unterscheiden, insbesondere in Bezug auf den Ausdruck von Emotionalität in Form von Reizbarkeit und Aggressivität. Darüber hinaus wird getestet, ob individuelle Ausprägungen von Wertetypen, Alkoholkonsum und Persönlichkeitsstörungen/-akzentuierungen, die mit einem erhöhten Risiko- und/oder aggressiverem Verhalten assoziiert sind, die Ausprägung der Depression beeinflussen.

Bei gleichzeitiger Verwendung der Untersuchungsinstrumente Gotland Scale for assessing male depression (GSD), Beck’s Depression Inventory (BDI) und Major Depression Inventory (MDI) soll analog der Studie von Stromberg (2010) ermittelt werden, ob in dem eher maskulin geprägten Umfeld der Bundeswehr der GSD ein sensibleres Messinstrument zur frühzeitigen Diagnose von Depressionen und Suizidgefährdung als die gebräuchlichen Standarddiagnoseinstrumente BDI und MDI.

Validierung der PCL-5 nach DSM-V

Derzeit liegt für den deutschen Sprachraum kein validiertes Selbstberichtmaß zur Erfassung der Symptomschwere einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach den neuen DSM-5-Kriterien vor. Um diese Lücke zu schließen, wurden 100 aktive und ehemalige Soldaten sowie Reservisten mit mindestens einem potentiell traumatischen Ereignis in ihrem Leben, im Psychotraumazentrum des BwK Berlin und weitere 200 zivile Teilnehmer in einer gemeinsamer Kooperation zwischen der Freien Universität Berlin, der Westfälischer Wilhelms-Universität sowie dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf getestet. Ziel der Validierung ist es, durch die Prüfung der psychometrischen Qualität der Posttraumatic Checklist 5 zukünftig ein validiertes Diagnostikinstrument für den flächendeckenden Einsatz verfügbar zu haben. Im Zuge der Studie wurde gleichzeitig geprüft, ob Veränderungen bei den Kriterien einer PTBS von DSM-IV zu DSM-V auf die Fallzahlen von Diagnosen in den BwK´s zu erwarten sind.

Veteranenstudie

Es soll ein besseres Verständnis gewonnen werden, wie sich die Rahmenbedingungen des zivilen Versorgungssystems und das Inanspruchnahmeverhalten auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität ehemaliger Soldaten mit einsatzbedingten psychischen Störungen auswirken. Weiterhin soll eine Ableitung zielgruppenspezifischer Informationsangebote und möglicher Implikationen für Anpassungen der Rahmenbedingungen des Versorgungssystems im Umgang mit ehemaligen Soldaten erfolgen. Das Projekt ist im Rahmen einer Kooperation mit der Charitè Berlin geplant.