Nachsorge

Nachsorge - wir lassen Sie nicht im Stich!

Wie geht es nun nach der kurativen Therapie weiter? Im engeren Sinne versteht man unter Nachsorge Untersuchungen, die eine Tumorfreiheit über einen Folgezeitraum belegen oder aber ein Wiederauftreten der Erkrankungen rechtzeitig aufdecken. Des Weiteren dient die Nachsorge dazu, mögliche späte Nebenwirkungen zu erkennen und behandeln zu können.

Nach abgeschlossener potenziell kurativer (heilender) Therapie des Prostatakarzinoms sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um ein Wiederauftreten beziehungsweise das Fortschreiten der Erkrankung und tumorbedingte Auswirkungen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Neben der Nachbetreuung bei physischen (Anschlussheilbehandlung), psychischen (Selbsthilfegruppen, Psychoonkologie) und sozialen (Sozialdienst) Problemen, spielen die medizinischen Untersuchungen eine wichtige Rolle. Folgende Untersuchungen können im Rahmen der Nachsorge durchgeführt werden (siehe Diagnostik):

  • körperliche Untersuchung, digital-rektale Untersuchung
  • Blutuntersuchung einschließlich PSA-Wert-Bestimmung
  • Sonographie (harnableitende Organe, Prostata), TRUS (transrektaler Ultraschall)
  • bildgebende Verfahren, z.B. Röntgen/CT/Skelettszintigraphie
  • Prostatabiopsie nach Bestrahlung ist kein Standard im klinischen Follow up

Dabei stehen die digital-rektale Untersuchung und die Bestimmung des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen) als Tumor-Verlaufsmarker im Mittelpunkt der Nachsorge.

NACHSORGEUNTERSUCHUNG

Jahr (posttherapeutisch)

Untersuchungsmonat

Nachsorgeuntersuchung

erstes Jahr
3, 6, 9, 12Anamnese, DRU, PSA, Sono
zweites bis fünftes Jahr6, 12Anamnese, DRU, PSA, Sono
ab dem fünften Jahr
jährlichAnamnese, DRU, PSA, Sono

Nachsorge nach radikaler Prostatektomie

Nachsorge nach radikaler Prostatektomie

Der PSA-Wert sollte sich nach der radikalen Prostatektomie innerhalb von vier bis sechs Wochen unterhalb der Nachweisgrenze (<0,04 ng/ml) befinden. Jeder nachweisbar bleibende oder ansteigende PSA-Wert kann ein Wiederauftreten oder noch Vorhandensein von Tumorgewebe bedeuten.

Die Definition des biochemischen Rezidivs (PSA-Relaps), postoperativ, liegt bei einem Schwellenwert von 0,4 ng/ml. In diesem Fall sollte eine Anschlusstherapie begonnen werden, z.B. bei langsam ansteigendem PSA-Wert eine lokale Strahlentherapie oder eine antiandrogene Therapie. Im weiteren Verlauf ist eine regelmäßige Kontrolle des PSA-Wertes zu empfehlen, aufgrund der geringen Proliferationsrate des Prostatakarzinoms jedoch nicht häufiger als alle drei bis sechs Monate.

Ein früher, schneller Anstieg des PSA-Wertes ist hinweisend auf eine bereits systemische Erkrankungsausbreitung (Metastasierung) und sollte mit einer Hormon- sowie Chemotherapie behandelt werden.

Nachsorge nach Radiatio

Nachsorge nach Radiatio

Nach einer Strahlentherapie der Prostata bleibt oft Prostatagewebe erhalten, und es kann bis zu einem Jahr und länger dauern, bis das PSA den optimalen Nadir (= tiefster PSA-Wert nach einer Therapie) erreicht hat. Dieser Zeitraum korreliert mit der definitiven biochemischen und klinischen Heilung. Die PSA-Werte sollten zwischen 1-4 ng/ml nach externer perkutaner Radiatio liegen und nach Brachytherapie nicht >0,1-1 ng/ml sein.

Gemäß den Kriterien der ASTRO-Konsensus-Konferenz (2006) liegt nach Strahlentherapie ein PSA-Rezidiv (hinweisend auf einen Tumorprogress) bei drei konsekutiven PSA-Anstiegen oberhalb des posttherapeutischen Nadirs (PSA > 2 ng/ml oberhalb des Nadirs) vor. Bei einem lokalen Rezidiv nach vorangegangener Bestrahlung kann nicht erneut bestrahlt werden. Es bestehen daher als Behandlungsoptionen neben der abwartenden Kontrolle („watchful waiting“) und der antiandrogenen medikamentösen Therapie lokale Behandlungsmöglichkeiten.

Eine Operation weist prinzipiell aufgrund des vorbestrahlten Situs mit Strahlenfibrose, Strahlenvaskulitis und fehlender Darstellbarkeit der anatomischen Gewebeschichten eine hohen Komplikationsrate auf. Es besteht jedoch die Intention von sogenannten „Salvage-Therapieverfahren“ (salvage= Bergung, Rettung) nach Versagen der Strahlentherapie mit Ausbildung eines Lokalrezidivs und bei radiologischem Ausschluss von Fernmetastasen, z.B. eine radikale Salvage-Prostatektomie, destruieren der vorbestrahlten Prostata mit Kälte (Kryoablation), Hitze (hochintensiver fokussierter Ultraschall: HIFU) oder Strahlen (interstitielle Brachytherapie). Im Gegensatz zur rein palliativen antiandrogenen Therapie, haben diese Verfahren einen prinzipiell kurativen Ansatz.

PSA-Bounce-Phänomen

PSA-Bounce-Phänomen

Nach radikaler Prostatektomie und nach Strahlentherapie kann es zu transienten, marginalen PSA-Anstiegen kommen, die keine Rezidivsituation darstellen. Dies ist zum einen zurückzuführen auf postoperativ verbliebenes benignes Prostatagewebe am Absetzungsrand der Harnröhre. Jeder PSA-Anstieg > 0,4 ng/ml führt langfristig jedoch zu einem klinischen Rezidiv. Zum anderen wird nach Bestrahlung ein PSA-Anstieg von > 0,1 ng/ml mit konsekutivem Abfall als PSA-Bounce definiert, stellt hier aber keinen Prognosefaktor dar.

Individuelle Beurteilung

Individuelle Beurteilung

Die weitere Therapieentscheidung bei einem PSA-Rezidiv nach radikaler Prostatektomie oder Radiatio ist nach Wertung der PSA-Kinetik (z.B. PSA-Verdopplungszeit: je kürzer sie ist, desto früher ist der Behandlungsbeginn zu empfehlen), Einschätzung der Lebenserwartung und Komorbidität in Abhängigkeit von der individuellen Situation (Ausgangsbefund, Verlauf, Lokalbefund) des Patienten zu fällen.

Dabei sollten die Vor- und Nachteile abgewogen werden. Auf der einen Seite steht die mögliche günstige Beeinflussung des weiteren Verlaufs durch eine frühe Behandlung, auf der anderen Seite ist die Lebensqualität besser bei verzögerter Behandlung. Kommen zum ansteigenden PSA-Wert jedoch weitere Symptome hinzu, richtet sich die Behandlung nach ihnen aus.