Moral Injury - Manual

Werte-orientierte Psychotherapie bei Einsatzsoldaten

Die Teilnahme an einem militärischen Auslandseinsatz bedeutet für viele Soldaten eine das weitere Leben prägende Erfahrung. Während der Monate außerhalb Deutschlands werden vielfältige Eindrücke gewonnen, so z. B. durch das enge kameradschaftliche Miteinander in den Feldlagern, nicht zuletzt auch mit Soldaten anderer Nationen, aber auch durch den Kontakt mit der einheimischen Kultur und Bevölkerung.

Diese Begegnungen können außerordentlich bereichernd sein und dazu führen, dass psychische Reifungsprozesse einsetzen, die neue positive Sichtweisen zu Leben und Umwelt ermöglichen. So werden beispielsweise vielfach die Vorzüge und Besonderheiten der Lebenswirklichkeit in Deutschland deutlich intensiver und oft auch wertschätzender wahrgenommen.

Damit kann auch eine Veränderung persönlicher Wertorientierungen einhergehen: Militärangehörige begeben sich in die persönliche Herausforderung von Einsätzen, geprägt von ihren im Heimatland in vielen Jahren eines familiären, gesellschaftlichen und nicht zuletzt auch militärischen Sozialisationsprozesses gelernten Einstellungen und Wertorientierungen. Diese bedeuten für sie ein moralisches Fundament, das ihr Denken und ihre Handlungen vor Ort mitbestimmt und auch Stabilität in Belastungs- und Krisensituationen verleiht. Werte sind ein Koordinatensystem, das Orientierung und innerlichen Halt bietet.

Persönliche Werte können auf der anderen Seite aber auch bei der Entstehung einsatzbezogener Belastungen oder gar Erkrankungen mitwirken. In Studien des Psychotraumazentrums der Bundeswehr (PTZBw) zeigte sich, dass ein reflektierter, intensiver Werte-Bezug von Soldaten eine Schutzwirkung gegenüber der Entstehung von Depressivität im Einsatzverlauf haben kann. Im Vordergrund stehen dabei Traditionsbewusstsein und Konformität (Zimmermann et al., 2018). Demgegenüber können stark altruistische und kameradschaftliche Werte, wie die Orientierung am Wohl anderer Menschen (Benevolenz und Universalismus), zu einem verstärkten subjektiven Leidensdruck beitragen, z. B. bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS, Zimmermann et al., 2014). Menschen mit diesen Werten sind psychisch nicht verwundbarer als ihre Kameraden. Durch ihre Fähigkeit, mit anderen mitzufühlen, nehmen sie aber das Leid ihrer Kameraden und Mitmenschen, das sie im Einsatz beobachten, stärker auch als eigene Belastung wahr.

Besonders ausgeprägt zeigt sich der Einfluss eigener Wertesysteme auf die psychische Gesundheit, wenn es zu sogenannten moralischen Verletzungen kommt (Moral Injury). Darunter versteht man die Verletzung eines Menschen, die sich nicht auf einer körperlichen oder psychischen Ebene abspielt, sondern die das moralische Erleben in Frage stellt.

Zur Behandlung moralischer Verletzungen hat das Psychotraumazentrum der Bundeswehr ein Therapiemanual entwickelt, das hier kostenfrei heruntergeladen werden kann.

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