120 Jahre Radiologie am Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Die älteste militärische Röntgenabteilung weltweit

Am 13. Juli 2016 wurde mit einem Fachsymposium der Beginn der Röntgendiagnostik am Bundeswehrkrankenhaus Berlin vor 120 Jahren gewürdigt. Gäste aus anderen Berliner Krankenhaus- Radiologien, aus dem BMVg, der Chefarzt, viele Abteilungs- und Sektionsleiter, ehemalige und heutige Mitarbeiter hörten eine Mischung von Vorträgen über historische und aktuelle medizinische Themen aus der Radiologie. Dieses Jubiläum soll Anlass sein, die Geschichte der Radiologie am Bundeswehrkrankenhaus Berlin Revue passieren zu lassen.

SLUB/Deutsche Fotothek/Stoedtner, Franz

Im November 1895 entdeckte der Physikprofessor Wilhelm Conrad Röntgen in Würzburg eine neue Art von Strahlen, die er „X- Strahlen“ nannte. So werden sie im angloamerikanischen Sprachraum heute noch genannt, wohingegen in sich Deutschland bald die Bezeichnung „Röntgen- Strahlen“ durchsetzte. Röntgen forschte im Stillen noch einige Wochen über diese Strahlung, bevor er sich traute, damit in den ersten Januartagen 1896 an die Öffentlichkeit zu gehen. Schon am 5. Januar 1896 erschien aufgrund einer Indiskretion ein Zeitungsartikel darüber und innerhalb weniger Tage verbreitete sich die Sensationsnachricht über die ganze Welt. Kaiser Wilhelm II. ließ sich schon 1 Woche später, am 13. Januar 1896, von Röntgen die X- Strahlen im Berliner Schloss demonstrieren, erkannte sofort deren Bedeutung für die Wissenschaft und ordnete den Aufbau einer Röntgeneinrichtung im ehemaligen Garnisonslazarett No. 1, dem heutigen Bundeswehrkrankenhaus an. Am 15. Mai 1896 wurden die ersten Aufnahmen an Patienten angefertigt. Weil es damals noch keine Stromversorgung im Lazarett gab, mussten die Strahlen mit Hilfe von 26 Akkumulatoren erzeugt werden, von denen jeder 2 Volt (!) lieferte. Belichtungszeiten von 10- 20 Minuten pro Aufnahme waren üblich. Schon bald waren die Räume im Dachgeschoss von Haus G (über der FU- Stelle Urologie) zu klein. Die Abteilung zog in das Erdgeschoss von Haus I um, zunächst in den Bereich der heutigen Urologischen Spezialdiagnostik, 1934 in den Bereich der heutigen Endoskopie. 1954 entstand auf der Südseite des Patientenparks ein neues Gebäude nur für die Radiologie (und einen großen Hörsaal), das 1999 wieder abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde (Haus K). Seit 2010 sind hier Teile der Abteilung Radiologie beheimatet.

Schon seit jeher war die Röntgenausstattung hochwertig und modern. Heute deckt die Abteilung Radiologie mit komplett digitalen Röntgengeräten, Angiographie, 2 CT- Geräten und 2 MRT- Geräten bis auf wenige Spezialverfahren fast das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum ab.

3 Tesla- MRT im BwKrhs Berlin

Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Garnisonslazarett in das „Staatskrankenhaus der Polizei“ umgewandelt, nach dem 2. Weltkrieg in das „Krankenhaus der Volkspolizei“. Am 3. Oktober 1990 wurde es nach einem kurzen Intermezzo als NVA- Lazarett zum Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Wenn man die Zeiten als Polizeikrankenhaus einbezieht, werden hier seit 120 Jahren ohne Unterbrechung uniformierte Staatsbürger medizinisch versorgt. Damit existiert hier nicht nur eine der ältesten Röntgenabteilungen überhaupt, sondern die weltweit älteste, heute noch bestehende militärische Röntgenabteilung.