Krankenhaushygiene/ Infektionsmanagement

Antibiotika Verbrauch Surveillance Robert Koch Insitut

Zunehmend sehen wir uns mit Fragen und Verunsicherungen unserer Patientin bezüglich der sog. „Krankenhauskeime“ und dadurch hervorgerufener Infektionen (nosokomiale Infektionen) konfrontiert. In den Medien wird dieses Thema aus gutem Grund ebenfalls zunehmend mit großer Aufmerksamkeit bedacht. Nicht immer erfolgt die Berichterstattung in der Laienpresse allerdings sachlich und angemessen. Hierdurch können Unsicherheiten und Ängste erzeugt werden, die nicht immer berechtigt sind.

Das Problem der Infektion, speziell auch der Wundinfektion, begleitet die Medizin und die Chirurgie im Besonderen seit ihrer Entstehung. Erst die Erfindung und kommerzielle Herstellung von Antibiotika vor etwa 100 Jahren führte zu einer wesentlichen Entwicklung der Medizin, die auch heutzutage eine Vielzahl von Eingriffen und Behandlungen überhaupt erst ermöglicht.

Eine Vielzahl neuer Substanzen zur antimikrobiellen Therapie ermöglichte die Behandlung auch natürlich auftretender Unempfindlichkeiten (Resistenzen) von Bakterien gegen bestimmte Antibiotikagruppen. Für die Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen sind verschiedene Faktoren verantwortlich, wobei neben den hygienischen Bedingungen der Einsatz von Antibiotika eine entscheidende Rolle spielt. Eine undifferenzierte und massenhafte medizinische Verwendung dieser Substanzen in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern insbesondere ein flächendeckender Gebrauch in der Landwirtschaft (Tierhaltung) führte in den letzten Jahrzehnten zu einer zunehmenden Entwicklung von Resistenzen. Die zunehmende Globalisierung führte zudem dazu, dass teils regionale Erscheinungen sich zu einem internationalen Problem entwickelt haben.

Die weltweit berichtete Zunahme von antibiotikaresistenten Infektionserregern stellt eine ernste Gefahr sowohl für den individuellen Patienten als auch für die öffentliche Gesundheit dar. Die Therapie von Infektionen mit resistenten Erregern kann sich als schwierig erweisen, wenn hochwirksame Standardmedikamente nicht mehr wirksam sind und auf alternative z.T. weniger effektive und nebenwirkungsreichere Antibiotika zurückgegriffen werden muss.

Antibiotic Stewardship

Die Entwicklung und Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Neben Hygienemaßnahmen spielt hierbei der umsichtige Einsatz von Antibiotika eine wesentliche Rolle. Unter dem Begriff „Antibiotic Stewardship“ (ABS) werden Bemühungen und Maßnahmen zusammengefasst, die einer Verbesserung der Antibiotikaverordnungspraxis sowohl in der stationären wie auch in der ambulanten Versorgung dienen. Eine gute Antibiotikaverordnungspraxis umfasst beispielsweise, dass Antibiotika nur dort eingesetzt werden, wo sie therapeutisch oder prophylaktisch indiziert sind und dass die Antibiotikaregime hinsichtlich der Auswahl des Antibiotikums, der Applikationsart, Dosierung, Dosierungsintervall und der Dauer der Therapie bzw. Prophylaxe optimiert werden. Dadurch soll einerseits der individuelle Nutzen für den Patienten (adäquate Behandlung von Infektionen, Minimierung unerwünschter Wirkungen) verbessert und andererseits der Selektionsdruck auf die Bakterienpopulationen und die Kosten für das Gesundheitssystem minimiert werden. Dies erfordert eine systematische Herangehensweise, in der verschiedene Aktivitäten und Maßnahmen in sinnvoller Weise miteinander koordiniert werden z.B. sog. Antibiotic Stewardship (ABS)-Programme oder Antibiotikamanagementsysteme. In der S3-Leitlinie „Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotikaanwendungen im Krankenhaus" werden die wesentlichen Eckpunkte von ABS bzw. ABS-Programmen definiert und ausführlich beschrieben. Diese beinhalten die Schaffung und Aufrechterhaltung von bestimmten organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen wie z.B. die Etablierung eines multidisziplinären ABS-Teams, die Einrichtung der Funktion eines ABS-beauftragten Arztes und/oder eines infektiologischen Konsiliardienstes, die Fortbildung des Klinikpersonals, die Verfügbarkeit von Daten zu Infektionserregern, Antibiotikaresistenz- und -verbrauch aber auch spezifische Maßnahmen wie z.B. die Bereitstellung und Anwendung von lokalen Therapieleitlinien, die Erstellung einer hauseigenen Antiinfektiva-Liste, die Durchführung von Verordnungsanalysen. Im Rahmen der sog. „ABS-Initiative“ werden strukturierte Fortbildungszyklen angeboten, um Ärzten und Apothekern die Möglichkeit zu geben, sich gezielt und effizient in diesem Bereich weiterzubilden. Um dem großen Bedarf in diesem Bereich nachzukommen, wurden darüber hinaus noch weitere Fortbildungsmöglichkeiten geschaffen.