7. Klinisches ethisches Symposium

Am 09. November 2017 fand das 7. Klinisch ethische Symposium mit dem Thema „ Die Würde des Menschen ist unantastbar- Herausforderung im klinischen Alltag“ am Bundeswehrkrankenhaus Berlin statt. Die Moderation und Begleitung durch die Veranstaltung übernahmen Frau Oberfeldarzt Karin Dey und Frau Dagmar Klauck.

Die Mitglieder des klinischen Ethikkomitees hatten im Laufe des Jahres lange am Thema gearbeitet und gefeilt: Die Würde des Menschen ist hoch empfindlich und die Scham als Wächter der Würde leicht verletzlich. Ein unbedachtes Wort, ein Ignorieren des Menschen, einmal rücksichtlos Handeln und schon ist unabsehbarer Schaden gesetzt. Die Würde des Menschen, liegt in jedem Einzelnen von uns und ist von umgebenden Menschen abhängig. Das Grundgesetz unseres Landes legt die Rechte der Bürger fest, an erster Stelle steht die unantastbare Würde, müsste es nicht eigentlich besser heißen: Die Würde des Menschen ist antastbar, immer und überall und gerade im Krankenhaus? Menschen müssen sich hier entblößen, körperlich und seelisch, wenn der Schmerz zu groß wird. Manchmal geht die Behandlung, direkt unter die Haut. Was ist mit der Würde der Gesunden, der Pflegenden? Wie verändert sich die Pflegekultur, wenn die eigene Scham durch Aggressionen ersetzt wird oder schon vorsorglich eine Maske getragen wird, um „cool“ zu sein?

Wir wollten diese Fragen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und diskutieren und hatten offenbar damit „ins Schwarze“ getroffen, wie die hohe Teilnehmerzahl uns zeigte. Aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und weit über Berlin hinaus besuchten uns 53 Teilnehmer. Es war uns gelungen, hochkarätige Referenten zu verpflichten, und damit waren beste Voraussetzungen für eine rege Diskussion geschaffen, die gern auch mal kontrovers verlief. Begeistert erfolgte der kollegiale Dialog in den Pausen, denn einige Teilnehmer kannten sich bereits aus vorhergehenden Veranstaltungen.

In den vier Referaten wurden wechselnde Perspektiven durch die Vortragenden eingenommen.

Herr Dr. Arnd Pollmann (Institut f. Philosophie, Otto-von-Gericke-Institut-Magdeburg) stellte in seinem Vortrag die Entstehung und Entfaltung der menschlichen Würde als „Idealzustand“ in Frage. Historisch betrachtet, haben Begriffsverwendungen und Definitionen sowohl alltagssprachlich und philosophisch überlebt. Es sind jedoch auch massive historische Brüche im Umgang mit der Menschenwürde zu verzeichnen. Wenn er von der Würde als das inhaltliche „Worumwillen“ der Menschenrechte spricht, geht es ihm um das primäre und ursprüngliche Verständnis der Menschenwürde, das höchste Gut, welches im menschlichen Handeln das einzige Ziel und den Sinn verkörpert.

Herr Professor Dr. sc. phil. Karl-Friedrich Wessel (Vorsitzender der Gesellschaft für Humanontogenetik e.V., Berlin) betrachtet in seinem Bericht zu „Erscheinungsformen und Ursachen von Aggressionen im klinischen Alltag“ den Menschen in seiner Individualentwicklung. Aus Sicht der Humanontogenetik wird der Mensch als Ganzes erfasst. Sie integriert alle Entwicklungsaspekte, so dass dessen Entwicklung erst im Laufe der Zeit erkennbar ist. Anhand realitätsnaher Beispiele zeigt Professor Wessel auf, dass jeder Mensch eine Geschichte besitzt, die beständig zu einem gewissen Zeitpunkt integriert werden muss, um die Beziehungen von Menschen untereinander zu untersuchen und zu verstehen.

Frau Dr. Karin Grüber (Leiterin Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft gGmbH, Berlin) ist es in ihrer Darstellung besonders wichtig, die Würde im klinischen Alltag als Selbstbestimmung des Patienten zu achten und zu respektieren. Empathie alleine reicht ihrer Meinung nicht aus, um den Menschen in seiner Menschenwürde wahrzunehmen und danach zu handeln. Grenzüberschreitungen der Entwürdigung sind besonders zu erkennen, wenn die Scham, „als Hüterin menschlicher Würde“, missachtet wird.

Frau Gabriele Tammen-Parr (Pflege in Not, Berlin) unterstützt in ihrer täglichen Arbeit Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Die häusliche Pflege stellt eine besondere Belastungssituation für die pflegenden Angehörigen dar. Meist erwächst eine Verpflichtung, alles bewältigen zu müssen, was nicht selten zu einem subjektiven Belastungsgefühl führt, besonders auch aus emotionaler Sicht. In der Beratungsarbeit geht es darum, gerade bei sehr langer familiärer Pflege, Hilfeangebote anzunehmen, um seine Grenzen erkennen und akzeptieren zu können. Die genaue Analyse der familiären Situation wirkt präventiv, um gewalttätiges Handeln nicht als Lösung zu sehen. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass die Beratungs- und Beschwerdestelle bei Konflikt und Gewalt in der Pflegeälterer Menschen jederzeit in Anspruch genommen werden kann.

Die angebotenen Workshops waren durchgehend alle gut besucht und viele Teilnehmer brachten sich aktiv ein. Zum Schluss erfolgte eine kurze Darstellung der erreichten Ergebnisse.

Der amtierende Kommandeur Herr Oberstarzt Dr. Zechel, der bereits die Begrüßung übernommen hatte, verabschiedete alle Teilnehmer mit den Worten,“…das war eine höchst gelungene Veranstaltung, die mich sehr beeindruckt hat und ich hoffe Sie alle im nächsten Jahr wieder an unserem Bundeswehrkrankenhaus Berlin, dann zum 8. Klinisch ethischen Symposium, begrüßen zu dürfen.“