Amtshilfe: Bundeswehrkrankenhaus Berlin hilft bei Notversorgung von Flüchtlingen

Berlin, 30.06.2016

Seit letzten November leistet das Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Berlin Amtshilfe bei der ärztlichen Versorgung der zur Registrierung wartenden Asylbegehrenden im Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) in der Turmstaße. Montags bis freitags wird ein Arzt abgestellt, der in Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegepersonal  der Charité , sowie Ehrenamtlichen die medizinische Versorgung sicherstellt.

„Am Anfang herrschte hier tatsächlich ein „Chaos“, wie in den Medien beschrieben“ sagt Frau Kostner, die Pressevertreterin des LAGeSo. „Bei  2000 neu ankommenden Flüchtlingen pro Tag und nur 40 Mitarbeitern vor Ort - das war einfach nicht zu schaffen“. 

Auch die medizinische Versorgung der Flüchtlinge stand vielfach in der Kritik: „Anfangs musste viel  improvisiert werden“, berichtet Frau Kostner. Zu Beginn durch freiwillige Ärzte, die dann ab August 2015 durch den Caritas Verbund auf ehrenamtlicher Basis koordiniert wurden. Im September  kam eine Kooperation mit der Berliner Kassenärztlichen Vereinigung hinzu. Schließlich wurde am 26.10.2015 ein Vertrag zur „Notversorgung von Flüchtlingen“ zwischen der Charité Universitätsmedizin und dem LAGeSo geschlossen. Seit dem 02.11.2015 unterstützt  das Bundeswehrkrankenhauses Berlin die ärztliche Versorgung im Rahmen eines Amtshilfeersuchens des LAGeSo an das KommandoTerritoriale Aufgaben der Bundeswehr, durch die tägliche Abstellung eines Arztes. Seitdem waren im Rahmen dieses Amtshilfeersuchens mehr als 25 verschiedene Ärzte aus unterschiedlichen Fachrichtungen des BwKrhs Berlin tätig.

Inzwischen ist die Lage deutlich gebessert: Durch einen „glücklichen Zufall“, wie Frau Kostner es ausdrückt, konnten dann auch die Räumlichkeiten der ehemaligen Median-Klinik  zur ambulanten Versorgung der Patienten genutzt werden. In zwei Schichten arbeitet hier täglich ein interdisziplinäres, berufsgruppenübergreifendes internationales Team zusammen. Dieses besteht aus Ärzten verschiedener Fachdisziplinen (Internisten, Kinderärzten, Allgemeinmedizinern), Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Sprachmittlern. Durch das BwKrhs Berlin wird dieses Team täglich durch einen Arzt unterstützt.

Betritt man den „Medical Point“ des LAGeSo Turmstraße kommt man zunächst zur zentralen Anmeldung und Wartebereich. Rechter Hand befinden sie Räumlichkeiten der Caritas, linker Hand die Räumlichkeiten für die medizinische Versorgung. Hier können neben der Erhebung der Krankengeschichte und körperlichen Untersuchung auch eine Basis-Diagnostik, wie Messung von Vitalparametern, Blutzucker, Urin-Sticks, EKG und Sonographie durchgeführt werden. Sogar eine „kleine Apotheke“ befindet sich hier. Dadurch kann den Patienten schnell und unkompliziert mit einer symptomatischen Therapie geholfen werden. Am häufigsten kämen fiebersenkende  und schmerzlindernde Medikamente zum Einsatz.

Nicht nur zur Registrierung wartende Asylbegehrende können sich hier vorstellen,  sondern auch Patienten, die bereits im Besitz eines „grünen Versicherungsschein“ bzw. einer „Gesundheitskarte“ sind. Diese Patienten, erklärt Schwester Susanne, fänden häufig keinen Arzt, der sie weiterbetreut. Das läge insbesondere an der sprachlichen Barriere. „Und aus eigener Tasche einen Dolmetscher zu bezahlen, können Sie sich nicht leisten.“ sagt Schwester Susanne.

Auch Frau Oberstabsarzt  Dr. Regina Rusch empfand die sprachlichen Hindernisse als die größte Herausforderung. Mit kaum einem der Patienten könne man sich auf Deutsch oder Englisch verständigen, so dass man eigentlich immer auf die Hilfe von den überwiegend ehrenamtlich tätigen Sprachmittlern angewiesen sei. „Erste Aufgabe ist es immer, herauszufinden für welche Sprache ein Übersetzer gefunden werden muss“ sagt sie „denn auch wenn Flüchtlinge aus demselben Land kommen, heißt es nicht, dass sie dieselbe Sprache sprechen.“  

Allein im Laufe eines Tages brauchten die dort tätigen Ärzte die Hilfe von Übersetzern für Arabisch, Farsi, Dari, Pashtu, Urdu, Hindu und Punjabi.

Frau Oberstabsarzt Rusch untersuchte und behandelte viele akut erkrankte Patienten. Am häufigsten fieberhafte Infekte  bei Klein- und Kleinstkindern. Aber auch Magen-Darm-Erkrankungen, Harnwegsinfekte, Rücken- und Zahnschmerzen. Zusätzlich musste sie vielfach organisatorisch tätig werden: beispielsweise zur Anbindung/ Weiterbehandlung chronisch Kranker oder schwangerer Patientinnen. Wie ihre Vorgänger aus dem Bundeswehrkrankenhaus empfand Frau Oberstabsarzt Rusch ihren Einsatz als medizinisch herausfordernd und sehr befriedigend.

 „Wir sind sehr dankbar über all diese Hilfe, die die Bundeswehr in den vergangenen Monaten geleistet hat.“ (Regina Kneiding, Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, LPÖ)

 

Oberstabsarzt Dr. Tina Uhlmann