Katastrophenschutzplan funktioniert

Freitagnachmittag. Die meisten Mitarbeiter des Bundeswehrkrankenhauses Berlin haben sich ins Wochenende verabschiedet. Doch für viele soll dieses bereits am frühen Abend wieder unterbrochen werden. Um 18:33 Uhr rattert in der Notaufnahme das Alarm-Fax: „Großschadensereignis am Hauptbahnhof Berlin - Explosion durch technischen Defekt Güterzug -keine Kontamination - geschätzte 25 Verletzte…“.
Die Katastrophenschutzübung im Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Berlin nimmt damit ihren Lauf.

Funktionalität wird geprüft

Bundeswehr, Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und der Arbeitersamariterbund (ASB) trainieren das Zusammenwirken für den Ernstfall. Die Berliner Notfallkrankenhäuser sind verpflichtet, einen Katastrophenschutzplan für Großschadensereignisse aufzustellen. Durch die Inbetriebnahme der neuen Notaufnahme im BwKrhs galt es, einen neuen Katastrophenschutzplan zu erarbeiten. Mit dieser hausinternen Übung wurde er auf seine Funktionalität überprüft. Zielsetzung war auch, mögliche Schwachstellen zu erkennen.

Schnellstmöglich findet sich das alarmierte Personal, wie im neunen Plan beschrieben, in der dafür vorgesehenen Personalsammelstelle ein. Selbst für die Kinder der Mitarbeiter ist gesorgt. Gibt es bei Alarmierung im Privaten keine schnelle Lösung der Kinderbetreuung, kümmern sich Soldaten des BwKrhs um die Kleinen.

Zuverlässige Versorgung

So wird auch der Oberarzt der am BwKrhs Berlin stationierten Rettungsmittel Oberfeldarzt Dr. Lutz Siegl alarmiert. „Ich war gerade zu Hause, hab mit meiner Frau zu Abend gegessen; dann kam der Alarm“. Er sei sofort auf das Fahrrad gestiegen und ins nur fünf Minuten entfernte Krankenhaus gefahren. Während er auf die Patienten wartet, bleibt etwas Zeit für notwendige Vorbereitungen. Genaue Patientenzahl und Verletzungsarten seien ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gewesen. „Wir haben relativ früh als Anästhesisten den roten Bereich übergeben bekommen“, so der Oberfeldarzt. Im roten Bereich werden Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen behandelt. Im Laufe der Übung versorgt er zwei „Schwerverletzte“.

Nach und nach kommen beinahe 200 Ärzte und Pflegekräfte ins Bundeswehrkrankenhaus – jeder weiß, was zu tun ist, schließlich wird jeder regelmäßig in den Alarmierungsablauf eingewiesen. Seitens des DRK sind ungefähr 50 Kräfte vor Ort, sei es als Übungsverletzte oder zur fachlichen Aufsicht. In der Stunde nach der Alarmierung treffen die „Verletzten“ ein. Einige kommen zu Fuß, andere sogar mit dem Taxi. Insgesamt sechs Rettungswagen der Berliner Feuerwehr und des ASB fahren die „Schwerverletzten“ zur Bundeswehr-Notaufnahme. Alles läuft ruhig und routiniert.

Alle helfen mit

Bei der Alarmierung wurden 25 „Verletzte“ durch die Leitstelle der Feuerwehr angekündigt. Letztendlich dokumentiert die Notaufnahme 29 „verletzte Personen“. Die Darsteller tragen aufgeklebte oder aufgemalte Wunden.

Zu der Zeit versieht Oberstabsarzt Dr. Christoph Riese seinen Dienst und behandelt reale Patienten. Er ist Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie und wird derzeit zum Rettungsmediziner weitergebildet. „Ich bin dann wie die Jungfrau zum Kinde zu meiner Funktion hier in der Notaufnahme gekommen“, erzählt er. „Mein Auftrag war der Sektionsleiter der gelb triagierten Patienten zu sein, die nicht lebensbedrohlich verletzt sind, aber auch nicht ohne medizinische Behandlung auskommen“, berichtet Riese über seine Aufgaben bei der Übung.

Bei einer Triage geht es darum, bei unerwartet vielen Patienten die Behandlungsdringlichkeit zu priorisieren. Die Verletzungsschwere wird in farbkodierte Kategorien geordnet: sofortige Behandlung (rot), dringende Behandlung (gelb) und normale Behandlung (grün). Von simulierten Brand- und Schnittverletzungen, über Frakturen und einer Reanimation, bis hin zu großflächigen Verbrennungen haben die Rettungskräfte des Bundeswehrkrankenhauses eine Vielzahl unterschiedlichster Verletzungsmuster zu behandeln.

Die Übung habe gezeigt, dass das beigebrachte Wissen im Notfall sitze und sicher in der Anwendung sei, fasst Riese zusammen.

Der neue Plan hat funktioniert

Nachbereitung mit dem Chefarzt
Dr. Reuter zieht zum Übungsende eine positive Bilanz

Bei der Katastrophenschutzübung des Bundeswehrkrankenhauses müssen Berliner Feuerwehr und Rettungsdienst zum Glück keine echten Verletzten versorgen, sondern lediglich Verletztendarsteller. Scheinen sie eben noch an schwersten, teils lebensbedrohlichen Verletzungen zu leiden, erheben sich die scheinbar blutenden Menschen lachend von den Tragen. Im Ernstfall geht es nicht so fröhlich zu.

Der Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses Flottenarzt Dr. Knut Reuter ist mit der sogenannten Erst-Beübung des Katastrophenschutzplanes  zufrieden. Er ist zu Hause als ihn über den Zentralserver die SMS und der Alarm-Telefonanruf erreicht. Wenig später trifft er beim Leitenden Notarzt des BwKrhs Berlin im Katastrophenfall ein und verschafft sich einen ersten Überblick. „Die Realversorgung ist zwischenzeitlich weitergelaufen (...) und ich habe mich dann nach entsprechender Information (…) in das Einsatzlagezentrum begeben“, beschreibt er seine ersten Eindrücke zu Übungsbeginn.

Sehr beeindruckend, professionell und straff durchgeführt sei der Eindruck der eingeladenen Beobachter aus dem Landesamt für Gesundheit und Soziales, ebenso wie für die Feuerwehr und die Polizei. „Dies wurde uns von den externen Beobachtern attestiert und ich bin sicher, dass wir gut aufgestellt sind, um im Falle eines realen Großschadensereignisses unsere Leistungen zu erbringen“, resümiert der Chefarzt bei Übungsende.